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Aufräumen im Dickicht der digitalen Buzzwords

Im Interview mit Florian T. Hochenrieder, COO und Stephan Müller, CEO bei M² Business Consulting

M² Business Consulting ist eine 2013 gegründete, inhabergeführte Unternehmensberatung aus Pullach bei München. Der Fokus des Unternehmens liegt darin, mittelständische und große Unternehmen bei der Optimierung ihrer digitalen Kundenbeziehungen voranzubringen. M² Business Consulting begleitet die Kunden bei der Planung und Umsetzung von Produkt-, Zielgruppen-, Marketing- und Vertriebsausrichtung und unterstützt bei der Digitalisierung von Vertriebsprozessen und Kundenkommunikation. Die Leistungen werden durch die Segmente Strategie, Konzeption, Umsetzung, Change Management und Digital Leadership im passenden Mix geliefert und von Prozess- und agilem Projektmanagement begleitet. Hier fallen also genau die Schlagwörter oder auf Neudeutsch Buzzwords, die heute in vielen Diskussionen, im Internet oder auch bei Vorträgen immer wieder auftauchen. Im Interview mit Florian T. Hochenrieder und Stephan Müller sprechen wir diesbezüglich über die Grenzen des Consultings, die Hürden bei der Transformation und wagen einen Ausblick auf die Führung im digitalen Zeitalter.

DIGITAL FUTUREmag: Meine Herren, z.B. als Geschäftsführer oder Fach- und Führungskraft bei einem Mittelständler wird man mit Buzzwords - also Interesse weckenden kurzen Phrasen - förmlich bombardiert. Das führt bei Unternehmen oft zum Gegenteil der ursprünglichen Absicht. Wie sind Ihre Erfahrungen, wenn Sie erstmalig mit Firmenverantwortlichen in Kontakt kommen und sich über solche Begriffe austauschen?

Florian T. Hochenrieder, COO: Grundsätzlich habe ich persönlich erlebt und erfahren, dass wahre und vor allem wirksame Exzellenz in der Einfachheit liegt. Ganz im Sinne von Einstein: „Mache die Dinge so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.“ Dies gilt bei der Anbahnung einer optimalen Kooperation mit einem Wunschkunden, bei der gezielten Analyse und bei der Entwicklung eines genialen Konzepts. Und es kommt auch bei jeglicher Kommunikation und Umsetzung zusammen mit Kunden und Stakeholdern auf kluge Einfachheit, klare Botschaften und ein gemeinsames Verständnis von der Lage und dem echten Handlungsbedarf an. Aus diesem Grund lege ich genau darauf großen Wert ab Tag 1 im Zusammenspiel mit der Geschäftsführung oder dem Auftraggeber. Gemeinsames Ziel ist stets, Buzzwords schnell in Wirkhebel zu übersetzen.

Stephan Müller, CEO: Ich finde „Buzzwords“ klingt sehr abwertend, da diese ja nur dazu dienen, einer Erfolg versprechenden und manchmal komplexen Methodik einen Namen zu geben. Aus der Erfahrung heraus konzentrieren wir uns daher in Kundengesprächen eben nicht auf die „Buzzwords“, sondern lassen uns zunächst die Herausforderungen schildern und sprechen mögliche Szenarien durch. Ob wir das dann als Digitalisierung oder als Nutzung von Wirkhebeln in digitalen Zeiten bezeichnen ist zweitrangig.

DIGITAL FUTUREmag: Können Sie für uns die einzelnen Begrifflichkeiten einmal in eine sinnvolle Reihenfolge bringen? Wo lohnt es sich zu beginnen?

Stephan Müller, CEO: Ich denke, genau das ist Problem: Nämlich dass die Leute vor allem auf der Suche nach einer Reihenfolge sind und viel zu oft aus den Augen verlieren, sich die Frage zu stellen, was sie hinsichtlich der Digitalisierung erreichen möchten. Da für uns der exzellente Kundenwert in digitalen Zeiten im Fokus steht, stellt sich für uns nicht die Frage nach dem richtigen „Buzzword“, sondern nach dem besten Hebel, um die digitale Kundenbeziehung nachhaltig zu verbessern.

Florian T. Hochenrieder, COO: Ganz genau. Eine ergebnisorientierte Beratung beginnt dazu mit einer adäquaten Analyse. Diese zielt auf strategische Klarheit der Lage und ein gemeinsames Verständnis der Absicht, der Wirkfaktoren sowie der Risiken und Chancen, die sich bieten. Essenziell ist auch die Klarheit über Begriffe, Ziele und das große Ganze. Was bedeutet „Digitalisierung“? Eine Definition kann sein: „Alles messen. Alles prognostizieren. Alles verbessern. Wobei sich ‚alles‘ auf die richtigen Dinge im Unternehmen bezieht, die es richtig umzusetzen gilt.“ Noch ein Beispiel ist die „Absicht“. Diese kann beispielsweise sein, für die Kunden und Partner messbaren Mehrwert zu schaffen, profitabel zu wachsen sowie die Kunden, Partner und Mitarbeitenden authentisch zu begeistern und loyal zu binden. Die sinnvolle Reihenfolge der Schritte nach der Analyse umfassen eine differenzierte Strategie, ein maßgeschneidertes Konzept, die besonders wirksame Umsetzung sowie effektive Transformation mit digitaler Führung, kontinuierlicher Prozessoptimierung und (wirklich) agilem Projektmanagement.

DIGITAL FUTUREmag: Wenn so viele Unternehmen nicht genau wissen, wohin die strategische Reise im Bereich Digitalisierung gehen soll, wie beginnen Sie dann einen solchen Beratungsprozess und wie kann man sich die folgenden Schritte vorstellen?

Stephan Müller, CEO: Für uns gibt es drei tragende Säulen der digitalen Reise: Die Begeisterungs-, Leistungs- und Zukunftsfähigkeit. Dafür haben wir eine klare Struktur entwickelt mit neun Handlungsfeldern. Auf dieser Basis können unsere Kunden genau erkennen, wo noch Handlungsbedarf besteht und was der größte Hebel ist, mit dem die digitale Reise am besten gestartet wird.

Florian T. Hochenrieder, COO: Unsere Kunden schätzen es dabei besonders, dass wir die klassisch-bewährten Schritte der Analyse, Strategie, Konzeption, Umsetzung, Transformation und wirksamen Führung vom ersten Berührungspunkt an mit agiler Methodik und Problemlösung sowie mit besten Praktiken der Champions messbar wirksam und gleichzeitig empathisch fundieren. Wir orientieren uns zum Beispiel an Impulsen aus dem Design Thinking, wo das tiefgründige Verständnis für die tatsächliche Situation und Herausforderung des Kunden im Fokus steht und sich auf iterative Weise einer optimalen Lösung angenähert wird. Diese wird in kurzen Zyklen weiter verfeinert und durch ein Wechselspiel aus Prototyping und Testing optimiert, um eine ideale Lösung zu erschaffen. Wir implementieren dabei Hand in Hand mit unseren Kunden sogenannte „beidhändige“ Führungs- und Lösungsansätze, die die jeweils besten Ansätze aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf eine optimale Weise kombinieren.

DIGITAL FUTUREmag: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hürden für Unternehmen in die digitale Transformation einzusteigen?

Florian T. Hochenrieder, COO: Die größte Hürde, die digitale Transformation verhindert oder scheitern lässt, wohnt in der Entscheidungs- und Umsetzungsschwäche. Wir scheinen es leider an vielen Stellen verlernt zu haben, Entscheidungen, die notwendig sind, zügig zu treffen, um diese beharrlich und zielführend umzusetzen. Diese Entscheidungs- und Umsetzungsschwäche nehme ich auf allen drei Einstellungsebenen eines gelungenen Wandels wahr: Der Ebene des einzelnen Akteurs, der beteiligten Menschen und der Organisation selbst. Es kommt dabei wesentlich darauf an, dass die Unternehmensführung sowie jede einzelne Führungs- und Fachkraft auf systematische Weise daran feilen, das richtige Mindset, Skillset und Toolset aufzubauen, um die digitalen Zeiten mit Entscheidungs- und Umsetzungsstärke zu meistern und zu gestalten.

Stephan Müller, CEO: Ich pflichte hier vollkommen bei, dass die innere Einstellung die größte Hürde ist. Ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass vor allem die Arroganz den Start einer digitalen Transformation verhindert. Zu viele Unternehmer reden sich die aktuelle Situation schön und sind der felsenfesten Überzeugung, dass gerade sie die digitale Transformation nicht nötig haben, oft sind die Auftragsbücher voll, das Geschäft läuft und der Mehrwert einer Webseite wird nicht erkannt. Dabei geht es bei der digitalen Transformation nicht nur um Webseiten und Social-Media-Accounts, sondern vor allem darum, heute den Grundstein zu legen, um auch morgen noch volle Auftragsbücher und Marktanteile zu haben.

DIGITAL FUTUREmag: Wo kommen Sie trotz breitem Know-how an Grenzen, die dazu führen, dass sich das Unternehmen nicht in die gewünschte Richtung entwickelt?

Florian T. Hochenrieder: Eine Grenze wohnt in den internen und externen Umständen. Daher ist die Lageanalyse so entscheidend, um die internen und externen Risiken und Schwächen optimal zu handhaben sowie die sich bietenden Chancen zu nutzen. Eine weitere Grenze liegt im Potenzial der Menschen und der Organisation konsequent und effektiv dranzubleiben, um den Wandel nachhaltig zu installieren und zur Kultur zu machen. Es gilt die richtigen Gewohnheiten zu etablieren sowie neue und optimierte Prozesse zu härten. Und ja: Der Wille entscheidet!

Stephan Müller, CEO: Die digitale Transformation ist ein unfaires Spiel, bei dem unerwartete Herausforderungen auftreten, wie etwa rechtliche Hürden, die ein Vorhaben um Jahre verzögern, wo genau, wie eben schon benannt, das Dranbleiben und Willensstärke gefragt sind. Daneben muss ein Partner mit Weitblick existieren, der solche Situationen frühzeitig erkennen und diese damit vermeiden oder verkürzen kann. Als weiteren, leider traurigen Punkt gilt es zu nennen, dass viele digitale Transformationsprojekte gestartet werden, ohne vorher die Produkte und Dienstleistungen auf den digitalen Prüfstand zu stellen. Auf diese Weise schrammen viele Unternehmen mit neuen digitalen Prozessen meilenweit an Kundenbedürfnissen vorbei.

DIGITAL FUTUREmag: Welche Empfehlung können Sie geben, wenn Sie auf die jahrelange Erfahrung im Bereich Führung und insbesondere „Führung im digitalen Zeitalter“ schauen?

Stephan Müller, CEO: Da Herr Hochenrieder ein absoluter Experte zur Führung ist, möchte ich an der Stelle nicht viel hinzufügen. Meine Empfehlung ist, sich hinsichtlich der Führung im Allgemeinen und der digitalen Führung im Speziellen externe Unterstützung zu holen, die gemeinsam mit der Unternehmensführung von Anfang an die richtige Strategie, Struktur und Kultur schafft.

Florian T. Hochenrieder: Wir können nicht nicht-führen. In digitalen, in analogen und in hybriden Zeiten zählt es, sich auch bei der Führung nicht in Buzzwords zu verlieren, sondern klug, mutig und gelassen zu handeln. Handeln, um die gemeinsame Sache nach vorne zu bringen. Handeln, um stetig überzeugenden Mehrwert für Kunden zu schaffen. Handeln, um Mitarbeiter, Kunden und Partner zu begeistern und in Zukunft zu binden. Die Führung ist kein altes und auch kein neues Phänomen. Was zählt ist: Führen durch Vorbild! Für mich ist dabei entscheidend, das Beste aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf den jeweiligen Kontext zu münzen.

DIGITAL FUTUREmag: Zum Schluss bitte noch einen kurzen Ausblick in Richtung KI und Blockchain. Wird Deutschland mit seinem Mittelstand den insbesondere ausländischen Konkurrenten standhalten?

Florian T. Hochenrieder: Jetzt ist die Zeit für EntscheiderInnen und Entscheidungen. Wenn sich der deutsche Mittelstand und genauso die deutschen Konzerne mit einem klaren Commitment zu den Chancen der Digitalisierung bekennen, um diese visionär und gleichzeitig hoch effektiv zu nutzen, dann ist nach wie vor alles möglich. Ja, wir werden dann nicht nur standhalten, sondern an einigen Stellen sogar wieder in Führung gehen, ganz im Sinne von „Made in Germany“. Es kommt darauf an, die relevanten Anwendungsfälle zu identifizieren, diese zu monetarisieren und kühn zu entwickeln, so dass ein möglicher Vorsprung geschaffen, gehalten und ausgebaut wird. Dabei helfen auch kluge und gemeinsam wertschöpfende Allianzen und Co-Opetition.

Stephan Müller, CEO: Wenn wir nicht bald reagieren, wird der Vorsprung der ausländischen Konkurrenten in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht mehr einzuholen sein. Was ich feststelle, ist, dass gerade der Mittelstand, aber auch DAX-Unternehmen vor allem versuchen, gewachsene und bestehende Prozesse zu optimieren und es verlernt haben, neu zu denken. Gerade die Konkurrenz aus dem Ausland bricht gerne mit dem, was wir heute als Standard definieren und setzt damit KI und Blockchain von Anfang an bestmöglich ein, wodurch sie einen exponentiellen Vorsprung erreichen können. Ich persönlich glaube, dass in Zukunft Blockchain und KI so essentiell und natürlich sein werden, wie es heute die Nutzung von Smartphones ist sowie unsere unsichtbaren Begleiter in einem optimierten digitalen Alltag.

DIGITAL FUTUREmag: Herzlichen Dank für dieses inspirierende, konstruktive Interview.


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