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Projektmanagement in besonderen Zeiten

Interview mit Cornelia Kiel, Expertin für Agilität 4.0

Seit vielen Jahren ist Cornelia Kiel im gehobenen Mittelstand und in der Konzernwelt mit der Entwicklung agiler Projektmanagement-Themen unterwegs. Dabei beschäftigt sie sich viel mit den Werten und Prinzipien der Unternehmen, den Voraussetzungen für Entscheidungen im Projektteam, dem Cynefin-Modell oder der Bewertung von Prioritäten für wichtige Unternehmensentscheidungen. Das Thema Digitalisierung und Logistik ist hier oft ein Schwerpunkt. Im Gespräch mit Frau Kiel, sprechen wir heute über die Herausforderung für Unternehmen gerade jetzt in Zeiten von Corona und Home Office, Projekte trotz unterschiedlicher Hindernisse erfolgreich voranzutreiben, die Bedeutung von Werten und Prinzipien sowie Methoden im Rahmen agiler Projekte.

DIGITAL FUTUREmag: Frau Kiel, Sie sind Expertin für Agilität. Wie sind Sie zu dem Thema gekommen?

Cornelia Kiel: Alles was zur Routine wird, macht keinen Spaß. Bereits nach meinem Informatikstudium habe ich es geliebt, agile IT-Projekte in den Unternehmen voranzutreiben. Damals nannte man das Ganze nur etwas anders. Parallel nahm ich an Ausbildungen zur Trainerin und Moderatorin teil und wurde Performance Coach sowie zertifizierter Projektmanagement-Fachmann (GPM/IPMA). Die Neugierde Neues zu lernen, führte zu weiteren Ausbildungen zum zertifizierter SrumMaster (2011) und SAFe® Consultant (2018). Aber auch die sozialen Kompetenzen sind in meiner Ausbildung nicht zu kurz gekommen. Heute darf ich mich NLP Practitioner, Coach für System-Simulation, zertifizierter Belbin®- und MBTI®-Trainer nennen.

DIGITAL FUTUREmag. Viele Annahmen und Aussagen ranken sich derzeit um „Agilität“. Der Begriff wird fast inflationär benutzt. Was bedeutet für Sie Agilität?

Cornelia Kiel: Allein Scrum zu nutzen, heißt noch nicht, agil zu sein – es geht darum, den wahren Nutzen von Agilität zu verstehen und ein agiles Verständnis aufzubauen. Deshalb ist es wichtig, Agilität nicht mit der „Gießkanne“ über das gesamte Unternehmen auszuschütten, sondern ganz bewusst aus den Projektteams heraus das Verständnis für agile Prozesse zu fördern. Ich empfehle oft daher, agiles Arbeiten zunächst in einem Projekt einzuführen und nicht gleich in ganzen Abteilungen. Dieses hat einen einfachen Grund: Ein Projekt ist ein Raum, in dem die Regeln der täglichen Arbeit vorübergehend ausgesetzt und durch die Regeln des Projekts ersetzt werden. Damit entsteht ein geschützter Raum, in dem experimentiert werden kann und der Fehler zulässt.

DIGITAL FUTUREmag: Agilität hat auch viel mit Werten und Prinzipien zu tun. Können Sie uns dazu vielleicht ein paar Hinweise geben?

Cornelia Kiel: Sehr gerne. Ganz gut kann an der Darstellung des „agilen Eisbergs“ erklärt werden, wie Arbeits- und Kulturebene voneinander abhängen. Er zeigt auf, dass Methoden und Praktiken, ohne Werte und Prinzipien kein Fundament haben. Die wichtigsten Begrifflichkeiten sind hier: Vertrauen, Transparenz, Offenheit und Respekt. Ohne diese Werte und die Wertschätzung für andere Menschen ist Agilität nicht möglich. Wenn diese Werte und Prinzipien berücksichtigt werden, dann kann sich ein Unternehmen Gedanken machen, welche Methoden – klassisch, hybrid oder vollständig agil – zur Unternehmenskultur passen und in welcher Weise diese eingeführt werden.

DIGITAL FUTUREmag: Wenn ich Sie gerade richtig verstanden habe, dann sagen Sie, Agilität muss nicht zwangsläufig agile Methoden nutzen?

Cornelia Kiel: Ja, das ist meine Meinung. Natürlich haben agile Methoden ihre Vorteile und Scrum und Kanban sind gute Rahmenwerke, mit denen Projekte fokussiert zum Ziel geführt werden können. Unternehmen können aber nicht von jetzt auf gleich von klassischem Projektmanagement zu agilen Vorgehensweisen übergehen. Dazu braucht es Zeit und die Mitarbeiter müssen mitgenommen werden. Nicht jeder Mitarbeiter ist begeistert davon, sich selbst zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen. Parallel dazu müssen auch die Führungskräfte ein neues Rollenverständnis aufbauen. Dies alles können Unternehmen aber auch im klassischen Projektmanagement lernen und umsetzen. Viele klassische Projekte werden heute auch schon in Iterationen umgesetzt. Von da aus ist der Weg zu agilen Methoden nicht mehr weit.

DIGITAL FUTUREmag: Was bedeutet es jetzt, wenn Sie als Scrum Master oder Agile Coach agile Methoden einführen? Wie gehen Sie hier vor?

Cornelia Kiel: Als erstes ist es mir wichtig, den Projekt-mitarbeitern zu erklären, dass ich nicht alles besser weiß, sondern sie die Experten für ihr Thema sind. Das bedeutet, ich beginne immer mit einer Ist-Analyse und einem Gespräch mit jedem Projektmitarbeiter. Diese Standortbestimmung soll mir auch zeigen, welchen Reifegrad das Unternehmen und die Mitarbeiter für die Einführung von Agilität schon haben. Auch wenn wir zum größten Teil erstmal klassisch weiterarbeiten, führe ich die Daily Stand-ups, regelmäßige Projektreviews und Retrospektiven – alles Bausteine, welche aus Scrum kommen – ein. So können Unternehmen langsam in das Thema Agilität hineinwachsen.

DIGITAL FUTUREmag: Was unterscheidet Sie von anderen Scrum Mastern und AgileCoaches?

Ich berate und unterstütze Unternehmen dabei, klassisches Projektmanagement mit agilen Methoden in Einklang zu bringen. Seit mehr als 20 Jahren ist mein Thema Projektmanagement und ich habe viele Veränderungen mitgemacht. Dieser Erfahrungsschatz lässt mich heute Unternehmen abholen und beraten, egal welchen Reifegrad diese in Sachen Projekte und Projektmanagement haben. Deshalb ist mein Wahlspruch – Agilität ist keine Methode, sondern eine innere Haltung.

DIGITAL FUTUREmag: Viele Unternehmen sehen sich im Moment der Herausforderung gegenübergestellt, auch größere Projekte mit Mitarbeitern im Home Office durchzuführen. Welche Aspekte gibt es hier zu beachten?

Cornelia Kiel: Nun, ich denke, dass wir über die letzten Monate bereits sehr gut gelernt haben, mit den uns zur Verfügung gestellten Videokonferenz Tools auch bisherige Prozessabläufe im Projekt optimal zu gestalten. Dazu gehören zum Beispiel die virtuellen Stand-ups aber auch virtuelle Retrospektiven. Die Stand-ups regelmäßig zu gleichen Zeiten durchzuführen, hilft in Home Office Zeiten, den Tag zu strukturieren.
Gleichzeitig kommt das gesamte Team wieder auf einen Nenner und kann neue Prioritäten festlegen. Wichtig dabei ist für mich, dass alle ihre Videokamera eingeschaltet haben, um sich zumindest virtuell zu sehen. Darüber hinaus empfehle ich, mit geteilten Dokumenten zu arbeiten und unbedingt davon abzusehen, in einem E-Mail Wirrwarr, sich die einzelnen Dokumente hin und her zu schicken. Regelmäßige virtuelle Abstimmungen sorgen dafür, dass Projektmanager und Projektteam immer auf dem gleichen Wissensstand sind und Hindernisse sofort beseitigt werden können.

DIGITAL FUTUREmag: Super . Vielen Dank für diesen Einblick.

 

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