60 Millionen User weltweit - jetzt kommt Deutschland in den Fokus

Im Interview mit Sridhar Iyengar, European Managing Director bei Zoho.

Mit mehr als 45 Apps in fast jeder wichtigen Geschäftskategorie, einschließlich Vertrieb, Marketing, Kundensupport, Buchhaltung und Back-Office-Operationen sowie einer Reihe von , ist die Zoho Corporation eines der produktivsten Softwareunternehmen der Welt.

Zoho ist in Privatbesitz, profitabel und beschäftigt mehr als 9.000 Mitarbeiter. Zoho ist ein globales Unternehmen mit Niederlassungen auf der ganzen Welt. Der europäische Hauptsitz von Zoho ist in Utrecht, Niederlande. Neben der Zoho GmbH in Deutschland befinden sich weitere Niederlassungen in Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten, Indien, Japan, China, Singapur, Mexiko, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zoho betreibt eigene Rechenzentren auf der ganzen Welt und hat zwei Rechenzentren in der europäischen Region, in Amsterdam und Dublin, die die neuesten Sicherheits- und Datenschutzstandards einhalten.

Zoho legt einen hohen Stellenwert auf die Privatsphäre der Nutzer und hat in seinen Apps und Anwendungen, einschließlich der kostenlosen Produkte, keine Werbeinhalte. Mehr als 60 Millionen Nutzer auf der ganzen Welt, in Hunderttausenden von Unternehmen, nutzen mittlerweile die über 45 unterschiedlichen Anwendungen. Grund genug für uns, mit dem erfolgreichen Softwareanbieter mehr über die Deutschland Strategie zu erfahren. Im Interview sprechen wir mit Sridhar Iyengar, European Managing Director bei Zoho, über Digitalisierung, die Bedeutung von Privacy für Zoho, Long Term Business Commitments, eine besondere Art des Kundenfokus und neueste Cloud Technology.

DIGITAL FUTUREmag: Herr Iyengar, Zoho ist bereits auf dem gesamten Globus sehr erfolgreich vertreten. Was war der Grund, den Marktauftritt in Deutschland erst jetzt richtig zu forcieren?

Sridhar Iyengar: Das ist eine natürliche Entwicklung, da wir schon sehr lange Kunden in Deutschland haben. Auch unser Partner-Ökosystem in Deutschland ist ziemlich stark. Mit einer Niederlassung in Deutschland können wir nun näher an unseren Kunden und Partnern sein. Deutschland als Wirtschaft ist auch über die Jahre gewachsen. Das letzte Jahr war für viele große Volkswirtschaften hart und viele Menschenleben wurden durch die Pandemie in Mitleidenschaft gezogen. Im letzten Jahr konnten wir auch beobachten, wie unsere Produkte von unseren Kunden in Deutschland eingesetzt werden – sei es, um die Herausforderungen der Remote-Arbeit zu meistern oder um die Bedenken bezüglich des Missbrauchs der Privatsphäre auszuräumen. Wir glauben, dass Zoho mit seiner tiefgreifenden Expertise in der Technologie und dem Standpunkt, den wir zum Thema Datenschutz eingenommen haben, die Möglichkeit hat, einen Mehrwert für das Business Ökosystem in Deutschland zu schaffen – eine Möglichkeit, das Bewusstsein zu schärfen und Unternehmen dabei zu helfen, auf erschwingliche und sichere Weise auf digitale Tools umzusteigen. Dies erfordert eine Menge Anstrengungen an der Basis und unsere Präsenz vor Ort wird diese Sache unterstützen.

DIGITAL FUTUREmag: Deutschland ist bekannt für seine starke mittelständische Wirtschaft. Warum sollte sich ausgerechnet der deutsche Mittelstand mit den Produkten von Zoho intensiver beschäftigen und damit die Digitalisierung vorantreiben?

Sridhar Iyengar: Mir ist bewusst, dass wir in Deutschland noch kein bekanntes Unternehmen sind. Unser aktueller Kundenstamm in Deutschland, der aus tausenden Unternehmen aus dem Mittelstand besteht, gibt uns jedoch das Vertrauen, zu expandieren. Der deutsche Mittelstand ist bekannt für seine Effizienz und überlegenes Ingenieurwesen, aber im Hinblick auf die digitale Transformation zählt er bisher zu den eher zurückhaltenden Anwendern. Jetzt ist es an der Zeit, langfristig darüber nachzudenken, wie man eine widerstandsfähige Technologie-Infrastruktur aufbauen kann. Einige Schlüsselfaktoren, die für diese Transformation benötigt werden, sind Benutzerfreundlichkeit, eine breite Palette von Anpassungsoptionen, starke Datenschutzrichtlinien und langfristige Preisstabilität. Zoho als Unternehmen und Zoho's Softwarepaket sind auf diesen Säulen aufgebaut. Die Cloud-Angebote von Zoho sind in verschiedenen Optionen erhältlich: Unternehmen können Software für eine bestimmte Anforderung kaufen, wie z. B. Eventmanagement, Rechnungsstellung, Bestandsmanagement, CRM oder E-Mail-Marketing, oder sie kaufen funktionale Suiten, die mehrere verwandte Produkte in einem attraktiven, integrierten Paket zusammenführen. Weiterhin haben sie die einzigartige Möglichkeit, ihr gesamtes Unternehmen mit Zoho One in die Cloud zu bringen. Wir werden Zoho One auf dem global Digital Future Congress präsentieren und Sie können live miterleben, wie mehr als 40 Anwendungen nahtlos zusammenarbeiten, um ein ganzes Unternehmen in die Cloud zu bringen. Da Erschwinglichkeit eine der Säulen Zohos ist, haben wir auch die Preise recht aggressiv gehalten: es kostet 1 € pro Tag pro Mitarbeiter, um die Leistung von Zoho One zu nutzen.

DIGITAL FUTUREmag: In Pressemitteilungen und auf der Internetseite kann man immer wieder lesen, dass Zoho ein besonderes Augenmerk auf den Datenschutz und die Datensicherheit der User legt. Bitte erzählen Sie uns ein wenig mehr über die Strategie und die Bedeutung von Privacy für Zoho.

Sridhar Iyengar: Datenschutz war von Anfang an der Eckpfeiler unseres Unternehmens. In diesem Jahr feiern wir unser 25-jähriges Bestehen, und seit dem ersten Jahr haben wir kostenlose Versionen unserer Software angeboten – aber niemals die Kundendaten zur Finanzierung unseres Unternehmens verwendet. Der weit verbreitete Kapitalismus hat einige der bekanntesten Tech-Giganten zu den reichsten Unternehmen der Welt gemacht. Dieses Gewinnstreben hat Big Tech dazu getrieben, in großem Stil Daten zu sammeln. Je besser die Daten, desto höher die Profite. Als wir Zoho gründeten, wollten wir das Beste für unsere Kunden bieten, nicht nur in Bezug auf die Funktionalität, sondern auch, um sicherzustellen, dass ihre Privatsphäre immer sicher und geschützt ist. Im Jahr 2019 haben wir jede Tracking-Software von Drittanbietern auf unseren Websites und Anwendungen entfernt und Schlupflöcher geschlossen, um den Datenschutz für unsere Kunden zu verbessern. Um sicherzustellen, dass auch unsere internen Prozesse guten Datenschutzpraktiken folgen, lassen wir unsere Software und Prozesse von ausgewiesenen globalen Unternehmen prüfen. Letztes Jahr wurde Zoho in die Liste der sehr wenigen Unternehmen mit ISO 27701 Zertifizierung aufgenommen. In den letzten Monaten haben wir das Bewusstsein für den Datenschutz in verschiedenen Ländern geschärft. Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, das Bewusstsein auch bei deutschen Unternehmen zu schärfen.

DIGITAL FUTUREmag: Im September letzten Jahres hat Zoho angekündigt eine branchenweite umfangreiche Suite von Business-Softwareanwendungen anzubieten. Unter dem Namen “Zoho Workplace” soll eine Software-Plattform entstehen, die Tools für die Zusammenarbeit, Produktivität und Kommunikation zusammenbringt. Wie weit sind Sie mit dem Roll-Out und wann ist diese Suite in Deutschland zu nutzen?

Sridhar Iyengar: Zoho Workplace gibt es schon eine Weile. Im letzten Jahr haben wir viele der Feinheiten überarbeitet, mehr Automatisierung und Intelligenz hinzugefügt. Nach der Freigabe ist Zoho Workplace die branchenweit umfassendste Anwendungssuite für Produktivität, Kollaboration und Kommunikation geworden. Diese ist bereits in Deutschland verfügbar und wir haben einige Unternehmen in Deutschland, die das Produkt nutzen. Wir haben gesehen, dass mehrere Unternehmen von Google zu Zoho Workplace gewechselt haben, vor allem wegen der fragwürdigen Datenschutzrichtlinien und der häufigen Preiserhöhungen. Um den Anstieg der Migration von den Konkurrenzprodukten aufrechtzuerhalten, haben wir auch eine einfache Migrationsroute sowohl von Office 365 als auch von Google Workspace gebaut.

DIGITAL FUTUREmag: Zoho ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern anscheinend auch ziemlich profitabel. Wie würden Sie insgesamt Ihr Kundenverhältnis beschreiben und was ist für Sie in einer Kundenbeziehung am wichtigsten?

Sridhar Iyengar: Unser Unternehmen und einige frühe Visionen unseres CEO, Sridhar Vembu, haben sich von japanischen und deutschen Unternehmen inspirieren lassen. Von Anfang an ging es darum, sich auf zwei Dinge zu konzentrieren: einen langfristigen Ansatz zu verfolgen, um Know-how aufzubauen, und es den Kunden extrem einfach zu machen, zu kaufen und auszusteigen. Wir haben nie Fremdkapital aufgenommen, wir sind vorsichtig mit Geld umgegangen und haben uns früh entschieden, das Geld wieder in das Unternehmen zu investieren, um Produkte zu bauen, lokale Gemeinden zu unterstützen, wo immer wir tätig sind und den Kundensupport auszubauen. Das hat uns bis heute geholfen. Auch heute noch binden wir unsere Kunden nicht mit endlosen Verträgen oder bestrafen sie für freiwillige Ausstiege. In der Vergangenheit haben wir nie allzu viele ATL Marketingkampagnen durchgeführt, sondern uns auf die Erstellung von Schulungsmaterialien konzentriert, die den Kunden bei der selbständigen Nutzung helfen sollen. Auch in Deutschland haben wir damit begonnen, indem unsere Kollegen regelmäßig deutschsprachige Webinare entweder über das Produkt durchführen oder Experten einladen, die über Technologietrends sprechen. Dies wird auch weiterhin unser Schwerpunkt sein.

DIGITAL FUTUREmag: Nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit ist die Cloud Technologie auf dem Vormarsch. Kaum ein Unternehmen, das heute nicht auch Cloud Dienstleistungen nutzt. Was ist das Besondere an der Zoho Cloud Infrastruktur, die Sie anbieten?

Sridhar Iyengar: Die Zoho Cloud Infrastruktur ist auf einigen starken Grundpfeilern aufgebaut:
1. Eigener Technologie Stack zum Aufbau von Expertise und nahtloser Integration
2. Kontinuierliche Entwicklung und Verfeinerung
3. Datenschutz und Sicherheit als Kernstück der Forschung und Entwicklung

Jede dieser Säulen hat ihre eigenen Vorteile. Der Besitz des Stacks und das Hosting der Anwendungen in unseren Rechenzentren helfen uns, die Expertise zu erlangen, die für die Feinabstimmung der Software gemäß den sich ändernden Anforderungen erforderlich ist. Es hilft uns dabei, neue Anwendungen oder Funktionen zu entwickeln, die damit direkt integriert sind und nicht nur als Notbehelfslösung dienen. Außerdem können wir die optimierten Kosten, indem wir nicht auf Hyperscalern hosten, letztendlich an unsere Kunden weitergeben. Durch die Konsolidierung, die in der Branche gerade stattfindet, sehen wir Anbieter, die es eilig haben, Unternehmen zu übernehmen, um den Prozess abzuschließen. Oft halten diese Übernahmen nicht das Versprechen, das sie ihren Kunden ursprünglich gegeben haben, da die Plattformen nicht nahtlos integriert werden können. Zoho hat einen geduldigeren Weg eingeschlagen, um von Grund auf aufzubauen, was wiederum die Zoho Produkte von denen unterscheidet, die übernommen und zusammengefügt werden.

DIGITAL FUTUREmag: Auf dem nächsten DIGITAL FUTUREcongress wird Herr Eric Mandel mit einer Keynote vertreten sein. Was wird grob der Inhalt des Vortrages sein?

Sridhar Iyengar: Auf der Veranstaltung werden wir einige der Herausforderungen ansprechen, vor denen deutsche KMUs heute stehen, um den digitalen Weg zu gehen. Wir haben auch einen virtuellen Stand, um den Gästen live zu zeigen, wie Zoho One einen immensen Mehrwert beim Aufbau eines widerstandsfähigen Unternehmens bieten kann.

DIGITAL FUTUREmag: Ganz herzlichen Dank für dieses spannende Interview

 

 


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