Transparente Prozesse und Fehleridentifizierung in der Fertigung

Im Interview mit Gerd Ohl, CEO der Limtronik GmbH

Limtronik mit Sitz in Limburg an der Lahn ist Joint Development Manufacturing (JDM)-Partner und Experte für Electronic Manufacturing Services (EMS). Das Unternehmen begleitet seine Kunden von der Produktentwicklung bis zum fertigen, auslieferbereiten Endprodukt. Der Fokus des Unternehmens liegt auf der Entwicklung und Fertigung von elektronischen Baugruppen sowie maßgeschneiderten Systemen für die Kunden. Der Spezialist ist bereits seit dem Jahr 1970 in der Herstellung von elektronischen Baugruppen und Geräten tätig. Im Jahr 2010 wurde die Limtronik GmbH gegründet. Diese ist nach der TS16949 sowie der ISO 14001 zertifiziert. Im Interview mit Gerd Ohl, CEO der Limtronik GmbH, sprechen wir heute über nachvollziehbare, rückverfolgbare und transparente Prozesse und wie dadurch ein präziser Überblick, Fehleridentifizierung und -minimierung gewährleistet werden können.

DIGITAL FUTUREmag: Die Limtronik GmbH ist ein Leuchtturmbeispiel für eine digitalisierte Elektronikfabrik. Was waren die Grundsteine für die Digitalisierung?

Gerd Ohl: Dadurch, dass Limtronik in den Anfängen vorwiegend für Telekommunikationsunternehmen tätig war, musste das Unternehmen eine hohe Variantenvielfalt managen und rückverfolgbar produzieren. In dieser Zeit wurden bereits die Grundsteine für das heute eingesetzte „Track and Trace“-System gelegt. Bereits Ende der 80er Jahre war die Datenerhebung zur klassischen Rückverfolgbarkeit signifikant. Dadurch war seit Anbeginn eine der wichtigsten Anforderungen im Hause Limtronik die Rückverfolgbarkeit (Traceability). Um verschiedenen Normen- und Branchenanforderungen gerecht zu werden, führten wir ein Manufacturing Execution System (MES) ein, um damit ein entsprechendes Track-and-Trace-System nachweisen zu können und die IATF-Zertifizierung zu erhalten. Die so entstandenen nachvollziehbaren, rückverfolgbaren und transparenten Prozesse geben uns einen präzisen Überblick und ermöglichen uns Fehleridentifizierung und -minimierung und damit einhergehend eine gleichbleibend hohe Qualität.

DIGITAL FUTUREmag: Das klingt nach einer echten Erfolgsgeschichte. Wie sind Sie vorgegangen, um Ihr Unternehmen Schritt für Schritt in die Digitale Transformation zu führen?

Gerd Ohl: Ab dem Jahr 2009/2010 hat Limtronik sukzessive eine Modernisierung des Maschinenparks vorgenommen. Dabei stand im Fokus, dass Schnittstellen vorhanden sind, die es ermöglichen, dass die Maschinen Informationen wie beispielsweise Qualität und Verbrauch weitergeben können. Dies waren die ersten Schritte in Richtung der intelligenten, vernetzten Prozesse, die wir heute umsetzen. Für die digitale Transformation gab keine umfassenden Evaluierungsprozesse, sondern die Lösungen entstanden immer aus dem Bedarf heraus. Hohe Qualität zu produzieren und den Mitbewerbern einen Schritt voraus zu sein war unser Antrieb, nicht in erster Linie Kostensenkung. Die Erfüllung der Normenforderungen war immer ein wesentlicher Treiber.

DIGITAL FUTUREmag: In der Zwischenzeit ist ja noch viel mehr passiert. Entstanden ist die SEF Smart Electronic Factory e.V., eine Informations- und Demonstrationsplattform für die Industrie 4.0. Wie kam es dazu?

Gerd Ohl: Über die Rückverfolgbarkeit wollten wir unbedingt den Schritt zur Automatisierung realisieren und so ergaben sich einzelne Puzzleteile, die dazu führten, dass Limtronik im Jahr 2013/2014 erste Initiativen in Richtung Industrie 4.0 mitgründete. Dazu zählt unter anderem der SEF Smart Electronic Factory e.V. – eine Industrie 4.0-Initiative für den deutschen Mittelstand. Die Forschungs- und Demonstrationsplattform des Vereins ist im Hause Limtronik im laufenden Betrieb integriert – es ist keine Modellfabrik, sondern es entstehen in der Smart Electronic Factory Lösungen aus der Praxis für die Praxis. Limtronik wurde damit zum Vorreiter in der EMS-Branche in puncto Digitalisierung und Industrie 4.0. Später wurden auch sukzessive Lean-Prozesse mit eigenen Digitalisierungsprozessen in Einklang gebracht und mit den Mitgliedern des Vereins gemeinsam viele innovative Projekte umgesetzt. Und die Technische Hochschule Mittelhessen, eines der Gründungsmitglieder des SEF Smart Electronic Factory e.V., hat Limtronik durch ROI-Berechnungen für die Digitalisierungsprojekte unterstützt und dadurch wurde deutlich, wie wirtschaftlich diese Projekte für unser Unternehmen sind.

DIGITAL FUTUREmag: Die vielen einzelnen Schritte haben dazu geführt, dass Limtronik sich in eine digitalisierte Fabrik verwandelt hat. Wie ist hier heute der aktuelle Stand?

Gerd Ohl: Heute betreibt Limtronik eine hochmoderne, digitalisierte Elektronikfabrik mit Cloud-basierten Systemen. Dabei kommt es zum ständigen Datenaustausch der Maschinen. Viele Maschinen sind dabei an ein übergeordnetes System gekoppelt. Somit kann das Unternehmen eine immense Menge an unterschiedlichen Daten zur Verfügung stellen und diese nutzbar machen. Insbesondere in der Wertschöpfung durch Daten sehen wir die Zukunft für uns und unsere Kunden. Beispielsweise im Bereich autonomer Fahrzeuge ist dies von enormem Nutzen, denn aus den in der Produktion gesammelten Daten können zahlreiche Rückschlüsse gezogen und damit Optimierungen und Automatisierungen vorgenommen werden.

DIGITAL FUTUREmag: Was würden Sie Unternehmen raten, die ähnliches vorhaben und im Bereich der Smart Factory und Industrie 4.0 weiterkommen wollen? Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Schritte auf diesem Weg?

Gerd Ohl: Beginnen sollte man damit, seine Prozesse lean zu gestalten. Dann sollte eine Digitalstrategie für das gesamte Unternehmen erstellt werden. Da Industrie 4.0 kein Einzelprojekt ist, sondern eine langfristige Strategie, die aus vielen Bausteinen besteht, sollten zunächst nach den „Low-Hanging-Fruits“ gegriffen werden. Das bedeutet, es gilt Fragen zu beantworten wie: Welche Prozesse können möglichst schnell und einfach automatisiert oder optimiert werden? Daraus leiten sich dann einzelne kleine Projekte ab, die kombiniert die Gesamtstrategie abbilden. Bei diesen kleinen Projekten sollten Projekte am Anfang stehen, die die Mitarbeiter gut nachvollziehen können und die sie in ihrer täglichen Arbeit unterstützen. Denn ein Digitalisierungsprozess ist immer auch ein Change Prozess und der kann nur zum Erfolg führen, wenn eine hohe Akzeptanz der Belegschaft vorhanden ist. Mitarbeitende sollen nicht ersetzt, sondern entlastet werden. Im Hause Limtronik wurden zum Beispiel viele Projekte zur Digitalisierung von den Mitarbeitern initiiert und durchgeführt. Dadurch haben wir eine sehr hohe Power im gesamten Unternehmen, um diesen stetigen Wandel zu gestalten.

DIGITAL FUTUREmag: Ganz herzlichen Dank für dieses Interview.


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