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Konsens als Ziel: Kombination aus Präsenz & Digital - Konzept Digitales Lernen im Präsenzunterricht

Im Interview mit Oliver Th. Fritz, Geschäftsführer der SOTEC GmbH

Seit Oliver Th. Fritz das Unternehmen im Februar 2017 übernommen hat, ist viel passiert. Das seit nunmehr 50 Jahren erfolgreiche IT-Systemhaus SOTEC GmbH arbeitet in der Metropolregion Rhein-Neckar als herstellerunabhängiges und inhabergeführtes Unternehmen rund um den IT-Lifecycle. Dazu hat man in den letzten Jahren weitere Geschäftsfelder aufgebaut und bietet ein breites Portfolio an Dienstleistungen: Vom Aufbau von IT-Infrastrukturen, dem Management von Output-Systemen, IT-Solutions & Services bis hin zu einer rundum Betreuung für Schulen. Im Interview mit Oliver Th. Fritz, Geschäftsführer der SOTEC GmbH, sprechen wir heute hauptsächlich über Digitales Lernen, politische Versäumnisse, die Definition eines Standards im Bereich Hardware im Zusammenhang mit der Bewilligung von Geldern für die Anschaffung und auch die Chancen bzw. Risiken, die ein soziales Gefälle mit sich bringen kann, wenn falsche Schwerpunkte gesetzt werden. Darüber hinaus lernen wir noch einiges über ein Best-Practices Beispiel in der Gemeinde Laudenbach.



DIGITAL FUTUREmag: Herr Fritz, als Sie das Unternehmen vor 4 Jahren übernommen haben, welche Vision hatten Sie von einem erfolgreichen IT-Systemhaus und welche der wichtigsten Vorstellung konnten Sie bereits umsetzen?

Oliver Th. Fritz: Meine Vorstellung vor der Übernahme war prinzipiell recht einfach. Zum einen, wollte ich das „Alte“ bewahren. Sie wissen, dass wir heuer das 50-jährige Firmenjubiläum feiern, somit wurde von den ehemaligen Inhabern in puncto Geschäftsentwicklung und -wahrung vieles richtig gemacht. Denn wer sich ein wenig auskennt, weiß, dass der IT-Markt, in dem wir uns bewegen, wie ein Haifischbecken ist und viele Marktbegleiter diese lange Zeit nicht überlebt haben. Viele sind gekommen und schnell wieder gegangen. SOTEC ist noch da, stärker als je zuvor. Zum anderen gab es - in der Natur der Sache liegend - die eine oder andere angestaubte Ecke, die es aufzuwirbeln galt. Daher lag es nahe, unter unserem Motto „Zuhören – Nachdenken – Lösen“, die SOTEC als IT-Systemhaus der digitalen Zukunft auszurichten. Zumal wir uns mitten in der vierten industriellen Revolution befinden, war es mein Anspruch, die SOTEC durch dieses Zeitalter - für unsere bestehenden und für die zukünftigen KundInnen - zu führen. Konkret haben wir intern unsere Collaboration modern und zukunftsweisend ausgerichtet. Das hat uns im Übrigen sehr geholfen, zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020, sofort und ohne Komplikationen auf Home-Office-Arbeit umzustellen. Wir telefonieren nun über VOIP. Egal, wo meine MitarbeiterInnen sich aufhalten, sie sind immer unter ihren Durchwahlen für unsere Kundschaft erreichbar. Unsere Server wurden technisch auf die neueste Technologie umgestellt. Das sind nur wenige Beispiele, die belegen, wie stringent ich diese Veränderungen vorgenommen habe.

DIGITAL FUTUREmag: Die Pandemie hat sehr deutlich gezeigt, welche Defizite unsere Schulen im Bereich Digitalisierung aufweisen. Sie haben selbst schulpflichtige Kinder. Was hat Sie am meisten gestört und wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?

Oliver Th. Fritz: Wow, diese Frage ist komplex. Die Antwort vielleicht noch mehr. Sie müssen wissen, dass ich ehrenamtlich als Vorsitzender des Elternbeirats eines Gymnasiums im schönen Oberbayern engagiert bin. Somit hatte und habe ich über unsere Schulleitung, zu der ein sehr enger Kontakt besteht, einen „direkten“ Einblick in die zahlreichen Schreiben des bayerischen Kultusministeriums in der Pandemie. Aus diesen Schreiben ging und geht klar hervor, dass es keine Strategie für die in der Pandemie unterschiedlichen Präsenz-, Distanz- und Wechselunterrichte gab und gibt. Warum gibt? Wir beginnen in diesen Tagen die zweiten Sommerferien in der Pandemie. Die Befürchtung ist groß und wahrscheinlich, dass in den 6 Wochen wieder kein klares einheitliches digitales Konzept für einen drohenden Distanzunterricht entwickelt wird. Aus Gesprächen mit Elternvertretern in der gesamten Bundesrepublik kann ich sagen: Das gilt bundesweit! Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin überzeugter Föderalist. Dennoch gibt es in meinen Augen Bereiche in der Politik, die eine bundesweit einheitliche Führung dringend benötigen. Hierzu gehört das Schulwesen, wie auch das Gesundheitswesen. Solange wir 16 Landesfürsten in den Kultusministerien sitzen haben, welche alle ohne Ausnahme nicht in der Lage sind, sich untereinander abzusprechen, werden wir in Deutschland und in Europa mit einem digitalen Schulunterrichtskonzept weiterhin hinterherhinken.

DIGITAL FUTUREmag: Von der Bundesregierung wurde im Rahmen der Digitalisierung unserer Schulen ein großes 5-Milliarden-Budget bereitgestellt. Wenn man sich allerdings die abgerufenen Gelder in den einzelnen Bundesländern etwas genauer anschaut, sieht man, dass hier zum Teil nur ein Bruchteil der zur Verfügung gestellten Budgets genutzt werden. Was ist ihrer Meinung nach der Grund?

Oliver Th. Fritz: Das durch Grundgesetzänderung vom 15. März 2019 am 17. Mai 2019 gestartete Förderprogramm „Digitalpakt Schule“ ist zwischenzeitlich auf 7 Milliarden Euro aufgestockt worden, um wesentliche Punkte, wie Lehrerausstattung und Wartung der aufgebauten und aufzubauenden IT-Infrastrukturen abzudecken. Warum bisher nur rund 1,4 Milliarden abgerufen wurden, hat mehrere Ursachen.

Der erste wesentliche Grund ist die mangelhafte Unterstützung bei der Ausarbeitung von entsprechenden Konzepten beim Aufbau von schulspezifischen IT-Infrastrukturen. Wissen Sie, ich vergleiche das immer mit einem vierjährigen Kind, das von seinen Eltern für den Wocheneinkauf 500 Euro bekommt, mit der Aussage, “nun geh’ mal los und kauf’ schön ein”. Das Kind sowie die Schulträger waren und sind damit komplett überfordert! Wenn die Schulträger dann den zur Bewilligung der zustehenden Fördergelder notwendigen Medienentwicklungsplan erstellt hatten, gab es insbesondere in der Anfangsphase und eine gewisse Zeit danach keine Antragsformulare bei der zuständigen Behörde. Das müssen Sie sich auf der Zunge zergehen lassen! Das ist Digital-Deutschland!

Der zweite Hauptgrund liegt in der immer noch nicht vorhandenen Ausbildung unserer LehrerInnen im Hinblick auf den Umgang mit den digitalen Medien, sprich die sogenannte Medienkompetenz. Hierbei lasse ich die mangelhafte Verfügbarkeit von digitalisierten Schulbüchern außen vor. Das ist ein weiterer Gesichtspunkt, warum wir in Deutschland nicht stringent in diesem Thema vorankommen. Unsere Lehramtsstudierenden sind allein gelassen, wenn es bei ihrer Ausbildung um die schulische Anwendbarkeit von digitalen Medien geht. Der Studienplan sieht kein Semester geschweige denn ein Seminar vor, welches dieses Thema vermittelt. Das, was die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer den Kindern über digitale Medien lehren sollen, basiert zum großen Teil auf Eigeninitiative. Wie sollen sie also den Kindern etwas beibringen, was ihnen selbst vorenthalten wird? Das ist nicht nachvollziehbar.

DIGITAL FUTUREmag: Man hat den Eindruck, dass die Schulen so schnell wie möglich wieder zu 100% in den Präsenzunterricht zurückkehren möchten. Inwiefern werden die Vorteile des digitalen Lernens hier verschenkt? Was wäre Ihr Vorschlag für eine gelungene Kombination aus Präsenz- und Digital-Unterricht?

Oliver Th. Fritz: Ein Rezept für eine gelungene Kombination aus Präsenz- und Digital-Unterricht gibt es nicht. Sicherlich lassen sich in Präsenz vermittelte Lerninhalte gut digital wiederholen und festigen. Sie müssen dabei die unterschiedlichen Anforderungen unserer Schulsysteme berücksichtigen. Mal eben zu sagen, wir machen jetzt nach dem alten Pareto 80% Präsenz und 20% Digital ist zu kurz gedacht. Da bedarf es meiner Auffassung nach deutlich mehr an Überlegung. Um eine spezifische Antwort geben zu können, fehlt mir jedoch die pädagogische Ausbildung. Ich komme hier mehr von der gesunden Menschenverstands- und Vaterseite, der unsere zwei Jungs in den Wochen der Pandemie mit Distanz-, Wechsel- und Präsenzunterricht begleitet hat. Dennoch wäre es fatal, wenn wir jetzt nicht die Chancen nutzen, die sich in diesem Bereich aus der Pandemie ergeben haben und Konzepte entwickeln, die genau das als Ziel, sprich die Kombination aus Präsenz- und Digital-Unterricht, haben. Für diese Aufgabe besitzt die SOTEC die notwendige Kompetenz in Verbindung mit dem Wissen, was zu tun ist. Wir bräuchten dann „nur“ noch Menschen, die es im schulischen Alltag umsetzen und anwenden.

DIGITAL FUTUREmag: Sie haben es bereits angesprochen. Für Sie überwiegen hier klar die Chancen. Gleichzeitig sehen Sie aber auch die Risiken eines sozialen Gefälles, wenn Familien nicht in der Lage sind, ihre Kinder beim Digitalen Lernen zu unterstützen. Welche Strategie schlagen Sie vor?

Oliver Th. Fritz: Wieder so eine Frage, Herr Mattis, die es in sich hat! Wissen Sie, zur Beantwortung dieser Frage, müsste ich prinzipiell zu den von der Bundesregierung im vergangenen Jahr 2020 extern beauftragten BeraterInnen gehören, die in Summe 435 Mio. Euro an Honorar kassiert haben. Aber Sie sehen, selbst diese Damen und Herren haben keine Strategie, die sie vorschlagen. Zumindest ist - nach meinem Kenntnisstand - noch nichts Verwertbares, welches über Binsenweisheiten hinausgeht, publiziert worden. Doch Sie fragen mich, was ich vorschlagen würde: Da wären wir wieder bei dem Thema, die Bildung und ihre Vermittlung bundesweit zu organisieren. Jedes Schulkind in Deutschland sollte über eine einheitliche technische Ausstattung verfügen. Diese dann deutschlandweit zu nutzen, bedingt eine flächendeckende Verfügbarkeit der 5G-Technologie. Und hier stoßen wir an eine weitere Herausforderung, die wir in Deutschland einfach verschlafen haben. Lange Rede kurzer Sinn, es greifen so viele Parameter in diesen Prozess und beeinflussen diesen, dass wir meiner Meinung nach nicht um eine zentrale Steuerung, welche mit den entsprechenden Kompetenzen ausgestattet werden muss, herumkommen. Hier hatte ich erwartet, dass die Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Frau Dorothee Bär, die Gunst der Stunde nutzt und die Sache in die Hand nimmt. Auch wenn sie ein Ministerium führt, welches über keinerlei bzw. lediglich über ein überschaubares Haushaltsbudget verfügt, hätte sie mit Ideen und Strategien punkten können. Doch über ein paar Tweets über ihren Twitter-Kanal ist nichts passiert. Schade…

DIGITAL FUTUREmag: Im Vorfeld haben Sie uns von einem Best-Practice aus der Gemeinde Laudenbach berichtet. Was hat es damit genau auf sich und was wurde hier umgesetzt?

Oliver Th. Fritz: Danke, dass Sie danach fragen. Die Gemeinde Laudenbach kam in ihrer Funktion als Schulträger auf uns zu und bat uns um Unterstützung im Rahmen des Förderprogramms Digitalpakt Schule. Die Gemeinde stand exakt vor den, in den vorherigen Ausführungen beschriebenen, Herausforderungen: Wie entwickle ich einen Medienentwicklungsplan (MEP)? Mit welchem Formular beantrage ich die Förderung, was wird gefördert? Wie bekomme ich WLAN in meine Schule? Wer richtet mir die Geräte ein und macht eine Einweisung für den Gebrauch, wer wartet sie? Wie unterrichten wir die Kinder, mit welchen pädagogischen Angeboten? Und, und, und. Da die SOTEC sich, wie in der ersten Antwort beschrieben, seit geraumer Zeit mit der digitalen Zukunft beschäftigt, konnten wir uns mit unserem Wissen und unserer Expertise speziell in diesem Bereich als kompetenter Partner für die Gemeinde empfehlen. Nach einem Kick-Off-Meeting mit allen Beteiligten bis hin zum Bürgermeister legten wir einen Fahrplan fest, dessen Route wir bis zum heutigen Tage abfahren. Der MEP ist mit unserer Hilfe erstellt und eingereicht. Die Fördergelder mit den richtigen Formularen beantragt. Die Kinder und die Lehrer sind mit Hardware ausgestattet. Die Klassenräume mit digitalen Präsentationsmedien bestückt. In den regelmäßig stattfindenden Status-Sitzungen werden offene Fragen und Punkte besprochen und geklärt. Dieses beispielhafte Vorgehen hat sich zügig in den umliegenden Gemeinden herumgesprochen, sodass wir dieses erfolgreiche Vorgehen bei der Gemeinde Laudenbach, mit den dort gemachten Erfahrungen, ebenso erfolgreich in die neuen Projekte einfließen lassen. Somit leisten wir unseren Beitrag, die Welt digitaler zu machen!

DIGITAL FUTUREmag: Das klingt sehr gut. Herzlichen Dank für den Einblick in Ihre Expertise, die klaren Worte, zielorientierten Lösungen sowie dem Teilen Ihrer Vorschläge für eine digital kompetente Schullandschaft. Weiterhin viel Erfolg!

 
dfmag4 kontakt sotec

 

 


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