Der Arbeitsplatz der Zukunft (und Gegenwart!) kommt aus der Cloud

Im Interview mit Georg Hartl, CTO der SINOVO business solutions GmbH

Wenn eines sicher ist, dann dass der Arbeitsplatz der Zukunft aus der Cloud kommt. Hier sind sich alle Experten einig. Nach Herstellerangaben nutzen inzwischen 90 Prozent aller Fortune 500-Unternehmen eine Microsoft Azure Cloud. Die Frage ist, wie gut oder sinnvoll ist deren Einsatz bei kleinen und mittelständischen Unternehmen? Dem Aufbau, der Bereitstellung und dem vollständigen Service mit allen Vorteilen der effizienten Prozesse und Workflows hat sich die SINOVO business solutions GmbH verschrieben. Mit rund 60 MitarbeiterInnen konzentrieren sich die IT-Spezialisten aus Frankfurt am Main in ihrer Unit workplace solutions bei der Beratung und Ausführung des digitalen Arbeitsplatzes auf eine modulare und skalierbare Umsetzung aus standardisierten Paketen und optionalen Supports aus der Microsoft Cloud. Dabei werden alle Dienstleistungen von der Migration über die Inbetriebnahme bis hin zum Service Desk vollständig abgebildet. Welche Vorteile das Ganze für mittelständische Unternehmen hat und wo auch die Hürden bei der Einführung liegen, darüber sprechen wir mit Georg Hartl, CTO der Unit workplace solutions bei SINOVO.

DIGITAL FUTUREmag: Corona hat Arbeitsorte und -möglichkeiten vieler MitarbeiterInnen schlagartig verändert. Unternehmen, die es konnten, haben schnell reagiert und ihr Personal ins Homeoffice geschickt. Wie gut waren Ihre KundInnen mit der Microsoft Cloud vorbereitet auf diese außergewöhnliche Situation?

Georg Hartl: Unsere reinen Cloud-KundInnen konnten im Zuge individueller Büroumzüge in die eigenen vier Wände allumfänglich von den Vorteilen der Microsoft-Dienste profitieren. Schließlich waren und sind alle Angebote, wie Office 365 oder Azure Cloud Services, darauf ausgelegt, sie jederzeit von überall aus nutzen zu können. Etwas anders sah es bei denen aus, die sich für eine sogenannte Hybrid-Lösung entschieden haben, bei der sich der eine Teil der Ressourcen in der Cloud befindet und der andere Teil innerhalb des physischen Firmennetzwerkes. Dort mussten teilweise VPN-Verbindungen konfiguriert werden, um einen direkten und sicheren Zugang zur Firma zu gewährleisten. Für den Cloud-Anteil war das aus den bereits vorher erwähnten Gründen jedoch nicht erforderlich.

DIGITAL FUTUREmag: Trotz dem klar erkennbaren Trend, digitale Arbeitsplätze in die Cloud zu verlagern, gibt es immer noch viele, insbesondere mittelständische Unternehmen, die auf einen eigenen Server setzen, ihre Daten selbstständig hosten und Backups herstellen etc. Gerade bei sehr großen Datenmengen, wie sie zum Beispiel in Architekturbüros anfallen, klingt das vernünftig. Ist es das wirklich?

Georg Hartl: Das selbständige Hosten von Daten birgt immer mehrere Risiken und ist auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Während beim Cloud-Hosting ohne Mehraufwand von ständigen Sicherheits- und Update-Strategien profitiert werden kann, liegt die Verantwortung beim selbständigen Hosting im Unternehmen selbst. Es müssen regelmäßige Backups erstellt werden. Diese müssen in gewissen Abständen auch wieder eingespielt werden, um deren Funktionalität sicher zu stellen. Hier sei das Stichwort „Disaster Recovery“ genannt. Außerdem wird ein Konzept zur Trennung der Backups von den restlichen Systemen benötigt. Backups, die bei einer Ransomware-Attacke ebenfalls verschlüsselt werden, sind nicht wirklich hilfreich. Man könnte an dieser Stelle noch vieles mehr anführen, das würde hier jedoch den Rahmen sprengen.
Grundsätzlich können auch Unternehmen mit großen Datenbeständen in die Cloud wechseln. Das kommt natürlich auch immer auf die jeweilige Struktur der Netzwerke an. In der Regel müssen die kompletten Daten einmal in die Cloud verlagert werden. Im Anschluss beschränkt sich der Traffic auf die Änderungen der Datensätze, was meistens nur einen Bruchteil ausmacht. Eine Alternative wäre ein Hybridmodell, bei dem die Daten selbst im Unternehmen bleiben, jedoch über die Cloud auf diese zugegriffen werden kann. Diese Lösung würde zumindest einen ortsunabhängigen Zugriff sicherstellen.

DIGITAL FUTUREmag: Die Migration und Implementierung ist für viele Unternehmen die erste große Hürde, um den Digital Workplace in die Cloud zu verlagern. Wie unterstützen Sie Firmen bei diesem Prozess?

Georg Hartl: Wir als SINOVO workplace solutions begleiten unsere Kunden vor und während der gesamten Migrationsphase und auch darüber hinaus. Gerne stehen wir im Anschluss als Ansprechpartner in allen Support-Angelegenheiten zur Verfügung.

DIGITAL FUTUREmag: Sie bieten nach der vollständigen Migration aller Daten auch Helpdesk-Services, Remote-Management-Services und kümmern sich um die IT-Sicherheit und Datensicherung. Das klingt nach einem vielversprechenden und sorgenfreien IT-Leben. Wo ist der Haken, wenn es einen gibt?

Georg Hartl: Das von Ihnen angesprochene sorgenfreie IT-Leben ist unser erklärtes Ziel. Unsere KundInnen sollen sich voll auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Die „Haken“ sind es, vor denen wir unsere Klienten schützen wollen.

DIGITAL FUTUREmag: Aktuell war der Aspekt IT-Sicherheit bei Microsoft in den letzten Wochen häufiger in den Schlagzeilen: Hackerangriffe, Ransomware, Lösegeld-Erpressung mit Daten usw. Wie schützen Sie Ihre KundInnen in der Cloud?

Georg Hartl: Bei komplexen System- und Softwarelösungen wird es immer wieder zur Entdeckung von Schwachstellen kommen. Das trifft für alle IT-Produkte zu und auch Microsoft bildet hier keine Ausnahme. Nimmt man etwa die vor kurzem veröffentlichte Schwachstelle im MS Exchange Server, so waren ausschließlich lokale Exchange-Installationen betroffen. Hier sind die IT-AdministratorInnen vor Ort in der Pflicht, neue Sicherheitsupdates umgehend einzuspielen. Das setzt jedoch voraus, dass es im jeweiligen Unternehmen jemanden gibt, der oder die sich ständig mit der IT und der aktuellen Sicherheitslage beschäftigt. Das ist in vielen KMU schlicht nicht realisierbar.
Exchange Online Services waren, im Gegensatz dazu, von der Schwachstelle übrigens nicht betroffen. Je nach Art und Umfang der Cloud-Infrastruktur bieten wir unseren AuftraggeberInnen sehr individuelle Sicherheitsfeatures, die von einfachen Zugriffsbeschränkungen über Verschlüsselung bis hin zu Bedrohungsanalysen unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (KI) reicht. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, dennoch zu einem erfolgreichen Angriff kommen, lassen sich Systeme aus den automatisierten cloudinternen Backups aber binnen weniger Minuten wieder herstellen.

DIGITAL FUTUREmag: Die Kosten bei der Auswahl von IT-Systemen spielen eine große Rolle. Gerade langfristig betrachtet wollen Firmen hier richtige Entscheidungen treffen. Laut Microsoft verwenden inzwischen 9 von 10 Fortune 500-Unternehmen eine Microsoft Azure Cloud. Macht es auch für KMU Sinn, in diese zu investieren?

Georg Hartl: Mit ständigem Voranschreiten der Digitalisierung macht das vor allem für kleine und mittlere Unternehmen in mehrerer Hinsicht Sinn. Selbst wenn sie nur ein kleines System bei sich hosten, wie zum Beispiel den bereits erwähnten Exchange Server, muss dafür Personal abgestellt werden. Das gilt gleichermaßen für die Wartung von Hard- und Software.
Weiteres Einsparpotenzial ergibt sich aus dem Wegfall der Hardware-Beschaffung. Neue Server-Komponenten stellen meist einen nicht geringen Kostenfaktor dar. Durch Verlagerung in die Cloud bleiben Ausgaben planbar. Durch die Skalierbarkeit innerhalb der Cloud ist zudem eine maximale Flexibilität gewährleistet. Ändern sich Hardware-Anforderungen, kan man diese in Azure einfach anpassen. Bei einem lokalen System ist das oft nicht so einfach.
Daneben fallen kontinuierliche Nebenkosten, wie Strom, für Cloud-KundInnen schlicht nicht an.

DIGITAL FUTUREmag: Zum Schluss noch eine Frage zur Ausfallsicherheit und der benötigten Internet-Datenleitung. Welche Datenrate empfehlen Sie einem Unternehmen mit 30 MitarbeiterInnen, das die gesamte IT in ein Rechenzentrum auslagern möchte?

Georg Hartl: Das kann man pauschal so nicht sagen. Das kommt stark auf die Arbeitsweise des jeweiligen Unternehmens an. Ist dessen Team vor allem im Homeoffice tätig, so ist eine relativ geringe Bandbreite für die Firma kein Problem, da der Traffic in diesem Fall zwischen Heimarbeitsplatz und Cloud entsteht. Sind dagegen alle KollegInnen in der Firma vor Ort, so kommt es wiederum auf das „Daily Business“ an. Es ist ein großer Unterschied, ob es hauptsächlich im Office 365 stattfindet oder regelmäßig größere Datenmengen verschoben werden müssen. Aus diesem Grund ist die ausführliche Beratung eines erfahrenen Partners absolut zielführend und erspart im Zweifelsfall viel Ärger, Geld und vor allem Zeit.

DIGITAL FUTUREmag: Wunderbar. Vielen Dank für Ihre Zeit und das informative Gespräch.

 

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